Hausbootfahrt mit Bewohnern in 2019

Hausbootfahrt mit Bewohnern in 2019

Der Motor dreht spürbar, aber nicht zu laut auf, als Valentin den Gashebel langsam nach vorne drückt. Bloß nicht zu schnell, schließlich befinden wir uns noch im Hafengebiet und müssen große Wellen vermeiden. Nach 2 Minuten haben wir die Geborgenheit des Hafenbeckens bereits verlassen, betreten die Wasserstraße, die Wildnis, das Land. Vor uns: ein freier, lang gestreckter Kanal. Wenige Menschen werden uns in den nächsten Stunden begegnen, wir haben freie Bahn, nichts stellt sich uns in den Weg. Entschlossen macht Valentin den Gashebel mit dem Anschlag bekannt, das Boot beschleunigt spürbar und wir starten in eine neue Hausbootfahrt mit Bewohnern des Markus-Pflüger-Heims.

Die Emotionen zu Beginn einer solchen Reise sind - auch nach zig Hausbootfahrten - nicht weniger stark als sonst. Erneut beginnt das Abenteuer, welches Organisation, Ausdauer, Können und vor allem Spaß an der Sache fordert. Dies ist die erste Hausbootfahrt des Jahres 2019 und findet zusammen mit 7 Bewohnern des Markus-Pflüger-Heims statt. Zwei Boote, beide vollgepackt mit Proviant und gut gelaunten Teilnehmern, machen sich auf die Reise von Niderviller über Lutzelbourg bis nach Saverne, wo zu dieser Zeit des Jahres das Festival der Musik stattfindet.

Während der Hinfahrt, welche 2 Tage dauern soll, durchfahren wir Tunnels, Schleusen und ein Schiffshebewerk, welches auch nach 40 Jahren noch treue Dienste leistet. Das Ziel einer jeden Hausbootfahrt ist jedoch nicht ausschließlich das Fahren, auch wenn dies einen Großteil der Zeit in Anspruch nimmt. Die Hauptsache ist es, Zeit miteinander zu verbringen, Spiele zu spielen, gemeinsam zu kochen und Schleusen zu meistern, zu lachen und die 5 Tage zu genießen. Denn auch wenn ein Hausboot mit maximal 8 km/h kaum Geschwindigkeitsrekorde brechen wird, so vergeht die Zeit an Bord doch wie im Flug.

Während der Fahrt wird Essen zubereitet, an verschiedenen Anlegestationen werden die Bänke für das gemeinsame Abendessen genutzt und am Abend bleibt Zeit, den Tag bei selbstgemachter Spaghetti Bolognese Revue passieren zu lassen. Das sind Erlebnisse, welche vor allem für die Bewohner noch für lange Zeit in Erinnerung bleiben werden. Aber auch wir Leos, zusammen mit Gerhard und Claudia Laux, genießen jede Minute und freuen uns, endlich wieder in See (oder besser gesagt: Kanalwasser) stechen zu können.

Zur Halbzeit in Saverne nutzen wir das gerade stattfindende Festival der Musik, um uns am Abend noch einige eher unbekannte, aber eindrucksvolle Bands anzuhören. Verteilt über ganz Saverne befinden sich zahlreiche größere und kleinere Bühnen, welche von Musikern aller Musikrichtungen genutzt werden, um Stimmung zu verbreiten. Rock’n Roll, Pop, Klassik oder Funk, für alle ist etwas geboten und die wenigsten können sich dem Drang entziehen, mitzutanzen. Menschentrauben befinden sich an jeder Ecke, die ganze Stadt ist draußen und genießt das tolle Wetter mit Cocktails, Crêpes und Livemusik. Noch am Nachmittag befanden wir uns in Saverne’s kleinen, aber feinen Freibad und genossen die an diesem heißen Sommertag bitter notwendige Abkühlung.

Was gefühlt nur ein Wochenende ist, dauert in Wirklichkeit 5 Tage und lässt uns die Sorgen des Alltags komplett vergessen. Sonntag Nachmittag treffen wir bereits wieder im Hafen von Niderviller ein, wo die Hausboote an die Leinen gelegt und der Proviant aufgebraucht wird. Erste Teilnehmer der Hausbootfahrt verabschieden sich bereits von der Gruppe, die Arbeit ruft. Am Montag ist es dann für den Rest ebenfalls Zeit, die Boote an den Vermieter zu übergeben und auf Wiedersehen zu sagen - bis zum nächsten Mal, welches hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.

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