Jugendfreizeit mit trinationaler Beteiligung

Jugendfreizeit mit trinationaler Beteiligung

Zusammen mit den Bewohnern des Markus-Pflüger-Heims haben wir bereits viele Hausbootfahrten erlebt, die meisten auf dem Rhein-Marne-Kanal in Frankreich. Diesmal war es jedoch etwas anders, denn wir befanden uns zusammen mit fünf Kindern eines Basler Kinderheims auf großer Fahrt – von Hesse nach Lutzelbourg und zurück. Vier Tage lang bewegten wir zwei Zehn-Personen-Hausboote durch den langen, künstlichen Kanal, vorbei an Bergen, durch Tunnel und Schleusen sowie einem großen Schiffshebewerk. Neben der Fahrt wurde die Zeit mit Spielen und anderen gemeinsamen Aktivitäten vertrieben. Und eines kann man sagen – die Zeit ging schneller vorbei, als es uns lieb war.

Angefangen hatte alles am Donnerstag, dem 12. April am Bahnhof Weil am Rhein, wo sich die Kinder und ein Teil der Leos trafen. Markus und Lena transportierten Lebensmittel und anderes Material zeitgleich mit dem Auto über die 300 km lange Strecke. Murat und Leyla sollten zusammen mit Jean-Christophe aus Frankreich am Samstag zu uns stoßen.Eine erste Begegnung mit dem Kindern hatten wir beim Verkauf der 12.000 Ostereier im Rhein Center vor kurzer Zeit. So fiel der erste Kontakt nicht sehr schwer und die mehrstündige Zugfahrt verging dank diverser Gespräche und Spiele wie dem Falten von aufblasbaren Papierwürfeln, an denen alle viel Spaß hatten, sehr schnell vorbei.Am Nachmittag trafen wir wohlbehalten in Sarrebourg ein, wo uns Markus und Lena bereits erwarteten. Zusammen mit einem Taxi überbrückten wir die kurze Distanz nach Hesse in Windeseile und bezogen sogleich unsere beiden Boote.

Wer unsere Projekte etwas mitverfolgt, erinnert sich sicherlich an die vergangene Hausbootfahrt im Jahre 2011, wo wir mit KiSEL-Kindern und später mit den Bewohnern drei Hausboote mieteten und lange Fahrten zurücklegten.In diesem Jahr taten es auch zwei etwas größere, sehr geräumige Boote. Das gemütliche Ambiente im Inneren mit dem großen Aufenthaltsraum und den großzügigen Kabinen in Kombination mit der tollen Dachterrasse wusste zu gefallen. Auf jedem der Boote gab es zudem zwei getrennte Duschen und Bäder. Die Küchen auf beiden Booten waren gut ausgestattet und wurden schnell für ein erstes Abendessen in Beschlag genommen, nachdem die Zimmer bezogen worden waren. An diesem Abend würden wir nicht mehr ablegen, aber eine Einweisung in die wichtigsten Funktionen der Boote musste dennoch sein. Es ist erstaunlich, wie viel Technik und Komfort ein Hausboot bieten kann, denn neben Heizung, Radio und Toilettenspülung gibt es auch warmes Wasser, gemütliche Betten und einen netten Kapitänsplatz.

Nachdem wir das erste Abendessen (Pfannkuchen in vielerlei Variationen, à discretion, versteht sich!) zu uns genommen hatten, gingen wir im Schein der untergehenden Sonne gemeinsam auf eine Wiese und spielten verschiedene sportliche Spiele. Sophia und Lena hatten die Leitung übernommen und sorgten so in Kombination mit Ideen der Kinder für einen unterhaltsamen Abend. So manch einer kam da schon mal ins Schwitzen, als es bei “Fang den Fuchs” hieß, möglichst schnell dem Fuchs zu entkommen und in ein Loch im Kreis zu schlüpfen.So war es anschließend keine große Angelegenheit für alle Beteiligten, schnell in das Reich der Träume zu entgleiten und dem nächsten Tag entgegenzuschlummern.

Der Freitag stand zunächst ganz im Zeichen des Aufbruchs: Nach dem Frühstück starteten wir die Dieselmotoren und begannen die Odyssee in Richtung Lutzelbourg. Uns erwarteten zunächst die beiden unterschiedlich langen Tunnel, welche für so machen eine echte Herausforderung darstellten, da zu beiden Seiten der Tunnel nicht viel Platz war. Einmal nicht aufgepasst, glitt das Boot gerne einmal von der Ideallinie ab und kollidierte mit der Wand. Während wir diese Durchfahrt ganz gut überstanden, folgten uns andere Urlauber mit viel Seitenkontakt in zu geringen Abstand, was im Falle einer Notbremsung nicht sehr vorteilhaft gewesen wäre. Als wir die Durchfahrt überstanden hatten, legten wir am Hafen an und bereiteten nach einem Spaziergang zu alten, stillgelegten Schleusen das Mittagessen vor. Während der Führung zum alten Teil des Kanals mit den 17 nicht mehr funktionierenden Schleusen gab Clubbetreuer Gerhard Laux interessante Einblicke in das Leben der Schiffer vor einigen Jahrzehnten, als das Schiffshebewerk von Arzviller erbaut wurde.Damals mussten alle 17 Schleusen durchfahren und mit mühevoller Handarbeit betätigt werden. Heute überwindet man in der großen Wanne des Schiffshebewerks die 44 Meter Höhenunterschied in vier Minuten, damals wurde dafür ein ganzer Tag benötigt. Ein Teil dieses historischen Kanals wird momentan restauriert. Wir sind gespannt, was sich aus diesem Vorhaben entwickeln wird.

Wieder bei den Booten angekommen und versorgt mit tollem Mitagessen, welches Leo Lena auf dem einen und Claudia Schätzle-Laux auf dem anderen Boot zubereitet hatten, ging es weiter zum eben erwähnten Schiffshebewerk in Saint-Louis/Arzviller. Wir hatten großes Glück und grünes Licht für die Einfahrt in die gewaltige Stahlwanne, welche oben auf uns wartete.Als beide Boote in der Wanne waren, senkte sich das gewaltige Stahltor und versiegelte den Kanal absolut wasserdicht. Unglaublich, was die Ingenieure und Arbeiter damals Ende der sechziger Jahre, als die neuen Kanalabschnitte und das Hebewerk erbaut wurden, zu realisieren vermochten, denn es lastet ein riesiger Wasserdruck auf dem über 40 Jahre alten Tor. Wäre dieses undicht, würde sich ein 30 km langer Teil des Rhein-Marne-Kanals in das Tal ergiessen und müsste gesperrt werden. Da keine Strömung vorhanden ist, würde der Kanal einfach leerlaufen.Angesichts der langen Tunneldurchfahrt waren die Kinder begeistert von der Geschwindigkeit, mit welcher sich die Wanne ins Tal bewegte. Kaum losgefahren, kamen wir auch schon am Fuß der Konstruktion an. Nach einem kurzen Ausflug von der Tal- zur Bergstation des Hebewerks und der Besichtigung eines zu einem Schifffahrtsmuseum umgebauten Kahns machten wir uns für die Weiterfahrt bereit.Was uns nun noch vom Zielhafen trennte, waren fünf Schleusen und ein paar Kilometer Wasser. Gerade bei den Schleusen war Teamarbeit gefragt, denn nur gemeinsam konnte man die Boote mit Tauen an der Kaimauer befestigen und in der Schleuse absenken lassen. Doch zusammen mit Kindern, welche sichtlich Gefallen an dem Prozedere hatten, überwanden wir diese Hürden mühelos und kamen nachmittags sicher und heil im Hafen von Lutzelbourg an.  
Der Abend wurde wieder mit Spielen verbracht, wir teilten uns auf und gingen entweder einkaufen oder machten einen Ausflug zu einer Telefonzelle. Lena und Claudia sorgten mit etwas Unterstützung wieder für ein hervorragendes Essen mitsamt leckerem Eis als Nachtisch. Inge erfreute alle mit ihrem Geschenkspiel, bei welchem per Zufall Geschenke verteilt werden und später ausgetauscht werden können. Da strahlten die Gesichter, als der Stoffhund oder die Schokolade über den Tisch wanderten.Eine Fackelwanderung zur Burgruine von Lutzelbourg war das Highlight des Abends. Durch den Wald, über einen steilen Wanderweg, erklommen wir Hand in Hand mit den Kindern den hohen Berg bis hinauf zu dem alten Kalksteingebäude. Belohnt wurden wir mit einer tollen Aussicht auf die mit Straßenlampen beleuchtete Stadt und dem ruhig daliegenden Kanal. An der Burg selbst gab es viel zu entdecken, angefangen bei mysteriösen Eingängen über gewaltige Türme bis hin zu ruhigen Höfen im Inneren der Burg. Das alles hatte im Schein der zahlreichen Fackeln einen ganz speziellen Charakter.Müde und erschöpft, aber auch guter Laune, erreichten wir nachts die Boote im Hafen wieder, bezogen unsere Betten und machten uns auf einen weiteren Tag an Bord gefasst – denn am Samstag erwartete uns die Rückfahrt nach Hesse.

Die Nacht war eisig, die Boote mit einer dünnen Frostschicht überzogen – die Kälte steckte einer Mannschaft besonders in den Knochen, denn diese hatte die Heizung ausgeschaltet. Da erging es der anderen Mannschaft besser, diese hatte ein angenehm warmes Boot und startete dementsprechend weniger verfroren in den neuen Tag, welcher uns mit strahlendem Sonnenschein und klarem Himmel begrüßte.Nach dem Frühstück stießen Murat, Leyla und Jean-Christophe zu uns. Dann konnte die Fahrt auch schon losgehen, denn nun waren wir vollzählig. Auch wenn dies schon die Rückfahrt war und wir am Sonntag abreisen würden, so war die Stimmung doch sehr ausgelassen, denn nun durften auch die Kinder an das Steuer der langen Boote und fühlten sich wie Kapitäne.Als wir das Schiffshebewerk wieder passiert hatten, erwartete uns noch eine besondere Überraschung – die Sommerrodelbahn in unmittelbarer Nachbarschaft. Immer ein Leo und ein Kind nahmen auf dem Gefährt Platz und genossen die kurze, aber sehr schnelle Fahrt. Dutzende Male wurde die Fahrt mit immer neuen Fahrerkombinationen wiederholt. Doch damit nicht genug – im Anschluss wartete ein nächstes Highlight in Form von Wasserbällen auf uns. In diese konnte man sich hineinbegeben. Es wurde Luft eingeleitet, bis die Bälle aufgeblasen waren, dann ging es in ein Becken voller Wasser. Was im ersten Moment sehr leicht aussieht, ist in Wirklichkeit gar nicht so einfach, denn das Gleichgewicht zu halten bedarf so mancher Übung. Hautpsache war aber, dass alle einen Riesenspaß damit hatten und traurig waren, als es vorbei war.

Gegen Abend hieß es dann, die Rückfahrt fortzusetzen. Auf dem gleichen Weg, den wir gekommen waren, ging es wieder zurück, durch die Tunnels, am Hafen von Niderviller vorbei nach Hesse. Um 19 Uhr legten wir mit beiden Booten wieder am Hafen an und ließen die Motoren verstummen – eine tolle, spaßige und viel zu kurze Hausbootfahrt neigte sich dem Ende entgegen.Der Abend wurde bei lustigem Beisammensein gefeiert, wir spielten diverse Spiele und sangen Lieder auf Schweizerdeutsch – was für so manchen eine echte Herausforderung war. Schlussendlich wurde es aber auch wieder dunkel, Zeit zum Schlafengehen.Und das war sie auch schon – die Hausbootfahrt 2012, bei der Kinder aus Basel die Hauptpersonen waren. Am Sonntag morgen räumten wir die Boote, putzten diese und spielten ein paar letzte Spiele gemeinsam. Die Kinder hatten uns ins Herz geschlossen, wir sie ebenfalls – es war eine feste Gemeinschaft entstanden. Umso schwerer fiel der Abschied, als es in Richtung Bahnhof ging. Doch bei einem waren wir uns alle einig – so eine gemeinsame Freizeit muss unbedingt wiederholt werden. Wer weiß, im Sommer gibt es sicherlich viele Möglichkeiten, welche wir uns nicht entgehen lassen werden. In diesem Sinne freuen wir uns auf weitere tolle Ausflüge mit euch!

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